100 Paten aus dem Kirchenkreis helfen Waisenkindern im südlichen Afrika

Gut 70 Besucher hatten sich am vergangenen Dienstag im Gemeindezentrum St. Marien in Winsen eingefunden, um sich über das Patenprojekt des Kirchenkreises Winsen in Swasiland näher zu informieren.

Pastor Markus Kalmbach und Kirchenvorsteher Peter Hagemann zeigten Bilder ihrer Reise, die sie vor drei Wochen dorthin unternommen hatten. Auch der Leiter der afrikanischen Partnerorganisation „Hands at Work“, George Snyman (Foto), war an diesem Abend dabei.

In Msengeni in Swasiland soll mit Hilfe der Paten eine Station errichtet werden, die ab September 50 Waisenkinder mit Kleidung und Nahrung versorgt. Weiter soll jedem Kind ein Schulbesuch ermöglicht und Angebote zur gemeinsamen Freizeitgestaltung gemacht werden. Neben sehr eindrücklichen Bildern faszinierte auch George Snyman, der die Besucher durch sein sehr bescheidenes, aber auch sehr klares Auftreten überzeugte.

„Ich war ein Programmierer“ sagte Snyman. „Ich hatte nie vor, eine Hilfsorganisation zu leiten“. Das Schicksal eines Kindes aber, das er gemeinsam mit seiner Frau in einem Krankenhaus kennen gelernt hatte, und schließlich dessen früher Tod ergriffen ihn so, dass er beschloss, zukünftig weiteren Kindern helfen zu wollen. Dies war der Beginn des Hilfswerkes, das heute in fünf afrikanischen Ländern über 3000 Kindern dauerhaft hilft.

„Ich hatte in den ersten 6 Jahren keinerlei Unterstützung“ schildert Snyman die Anfänge. Erst dann seien Spenden gekommen. Trotzdem habe er sich um Waisenkinder gekümmert, weil sie die bedürftigsten Menschen in Afrika seien. Teilweise habe er in Supermärkten aussortierte Lebensmittel erhalten, die er dann mit den Kindern geteilt habe. „Diese Kinder brauchen eine Perspektive“ ist Snyman überzeugt. Und so war er sich nicht zu schade, um etwa mit einem Kind morgens um fünf Uhr einen zweieinhalbstündigen Fußmarsch anzutreten, um ihm den Schulweg zu zeigen. Sein Prinzip: „Ein Mensch hilft einem anderen Menschen“.

Darum suche er auch nicht 10.000 Euro oder 100.000 Euro an Spendengeldern. „Ich suche 1000 Personen, die 1000 Kindern helfen wollen. Dabei fangen wir ganz unten an“ so der Südafrikaner. „Ein Dach über dem Kopf, Essen, Kleidung, Schulbildung“. All dies sei für 20 Euro im Monat erreichbar, denn die Betreuer in den Dörfern arbeiten alle ehrenamtlich. Snyman hat damit die besten Erfahrungen gemacht.

Und er setzt auf Nachhaltigkeit. „Wir springen nicht kurz rein, verteilen Geld und sind dann wieder weg“. Dies kritisiert er an vielen großen Organisationen. „Wir gehen dorthin, wo sonst keine dieser Organisationen mehr hingeht – und wir bleiben dort“.

Gemeinsam mit seinen Mitarbeitenden baut er sogenannte „Care-Points“ auf, die jeweils 50 Kinder in einem Dorf versorgen. „50 ist eine gute Größe“ ist Snyman überzeugt. „Man kennt alle mit Namen, und wenn jemand fehlt, fällt es sofort auf“. Die Hilfsorganisation sucht zunächst  verlässliche Partner in dem jeweiligen Dorf. Meist sind dies Großmütter, die von weiteren Bewohnern des Dorfes sowie von Freiwilligen aus aller Welt unterstüzt werden. Auch diese erhalten kein Geld, sondern müssen für ihren Unterhalt selbst sorgen. So schafft es „Hands at Work“, dass über 90 Prozent der Spendengelder direkt den Kindern zu Gute kommen. Sorgfältig werde mit den Dorfältesten überlegt, welche Kinder in das Hilfsprogramm aufgenommen werden sollen.

Als Gründe für die große Not im südlichen Afrika nannte Snyman politische Unruhen, HIV/AIDS sowie den Klimawandel. Wenn Rebellen ein Dorf heimsuchten, so flüchteten die Kinder meist in den Busch und überlebten, während Erwachsene oft getötet würden. Auch die dramatische Ausbreitung von HIV/AIDS habe viele Kinder zu Waisen gemacht, die dann von den Großmüttern betreut würden. Mangelnde Bildung und mangelnde Aufklärung verstärkten noch diese Epidemie.

Zum Klimawandel, der ja derzeit heftig diskutiert wird, erzählte George Snyman die einfachen Gedanken einer siebzigjährigen Afrikanerin, die ihm gesagt hatte: „George, irgendetwas ist falsch. Die Sonne kommt immer näher. Früher konnten wir bis mittags auf den Feldern arbeiten. Heute müssen wir schon um 11 Uhr in den Schatten, weil es zu heiß wird.“

Im vergangenen Jahr habe es keinen Regen gegeben und darum auch keine Ernte. In diesem Jahr habe es geregnet, aber man könne sich nicht mehr auf die Jahreszeiten verlassen. Mißernten oder ganz ausbleibende Ernten machten darum das Überleben im südlichen Afrika sehr schwer, so der Gast. Snyman sagt abschließend, er erlebe soviel Hass in der Welt. Seine Botschaft aber sei: Liebe, Liebe und noch einmal Liebe!

Sichtlich bewegt vom Vortrag übergab eine Besucherin am Ende der Veranstaltung die Beitrittserklärung zum Patenprojekt an Wilfried Staake, der die Spenden für den Kirchenkreis verwaltet. Sie konnte als 100. Patin begrüßt werden. Damit kann „Hands at Work“ durch die Paten aus dem Kirchenkreis jetzt ein zweites Projekt starten. Der Ort ist schon gefunden in Mozambique. Auch der Kirchenkreis selber will das Projekt unterstützen, so Superintendent Christian Berndt.

Wer noch Pate werden möchte, findet alle Infos auf unserer Seite:
kirchenkreis-winsen.de/kirchenkreis/patenprojekt-swasiland/

Bild: Der Leiter der afrikanischen Partnerorganisation, George Snyman, machte während seiner Europareise einen Abstecher nach Winsen. Er informierte die Besucher über die Situation im südlichen Afrika sowie die Arbeitsweise seiner christlichen Hilfsorganisation „Hands at Work“. Foto: Wilfried Staake

Zusatz-Information:

Mit der Hilfsorganisation „Hands at Work“ ist jetzt abgesprochen, dass ab Oktober 2017 die ersten 50 Waisenkinder in Msengeni B. betreut werden.
Bis dahin plant Hands at Work,
1. die Mobilisierung und Einbindung der örtlichen Pastoren für dieses Projekt.
2. Anleitung und Fortbildung der örtlichen „Care Worker“
3. Einkauf der nötigen Küchengeräte und Materialien, um die Essensversorgung von 50 Kindern zu gewährleisten.
4. Einkauf von Erste-Hilfe-Materialien

Weiter sollen mit den Winsener Spenden 50 Kinder in Mosambik an einem neu einzurichtenden Care-Point betreut werden.
Start könnte Ende dieses Jahres sein.

Auch hier werden die gleichen Vorbereitungen laufen, wie oben beschrieben. „Hands at Work“ setzt auf einen gut vorbereiteten Projektstart mit örtlichen Hilfskräften sowie der Unterstützung von mehreren Freiwilligen aus Europa und Amerika.

Spenden werden auch benötigt für einen neuen Care Point in Macadeira.