111. Internationales Café in Winsen

Bereits 110 Mal haben Pastor Markus Kalmbach und Superintendent Christian Berndt die Türen des Gemeindezentrums St. Marien weit aufgemacht. An jedem Sonnabend seit Oktober 2013 findet hier das Internationale Café statt. Dort können sich Flüchtlinge mit Winsenern treffen, etwas trinken, miteinander spielen, etwas Deutsch lernen und beide Gruppen finden so zu einem unverkrampften Umgang miteinander. Am kommenden Samstag, 19. Dezember findet das Café zum 111. Male ab 13 Uhr statt.

Damals, im Oktober 2013 fiel Pastor Kalmbach die zunehmende Zahl junger afrikanischer Männer auf Winsens Straßen auf. Nachdem er einige kennen gelernt und mit dem Kirchenvorstand gesprochen hatte, ging es los. „Wir hatten einen Raum und wir hatten eine Kaffeemaschine“ sagt Kalmbach über die Anfänge. „Machen – auch ohne großes Konzept – um der Menschen willen“ lautete damals die Devise. Inzwischen sind aus den anfänglichen 50 Besuchern heute 150 geworden – jeden Samstag. Das Gemeindehaus platz fast aus den Nähten und manche Ehrenamtliche sind nach dieser langen Zeit auch etwas müde geworden. Sie helfen gern und tun, was sie können – und trotzdem wird die Zahl der Flüchtlinge immer noch größer. Dies entmutigt schon manchmal.

Und dann sind da wieder Begegnungen, die selbst die Helfer froh machen. Wenn Flüchtlinge beispielsweise bei der Erstankunft neuer Flüchtlinge als Dolmetscher arbeiten, oder wenn ein Flüchtling den ehrenamtlichen Leiter eines Sprachkurses besucht und mit einem afrikanischen Essen verwöhnen möchte.

„In den zwei Jahren des Bestehens hat sich auch manches geklärt“, sagt Christian Berndt. „Wir machen längst nicht mehr alles. Fahrräder reparieren können die Mitglieder des ADFC viel besser.“ Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub hat landkreisweit die Aufgabe übernommen, gemeinsam mit Flüchtlingen für deren verkehrssichere Räder zu sorgen. Also werden gespendete Fahrräder in Gemeinschaftsarbeit wieder flott gemacht. Dies spart Geld und die neuen Besitzer lernen gleich, wie was im Bedarfsfalle repariert wird.

Beschäftigungsprojekt
Aus dem Internationalen Café ist das Beschäftigungsprojekt des Landkreises Harburg entstanden. Zur Verfügung stehen 200 Praktikumsplätze in Kirchengemeinden, an Schulen, im Freilichtmuseum oder bei anderen Trägern der Wohlfahrtspflege. Inzwischen sind schon 450 Personen vermittelt worden, die dann bis zu 20 Stunden in der Woche für den berühmten 1 Euro gemeinnützige Arbeit verrichten.

Sprachkurse
Weil Flüchtlinge nicht erst nach der Anerkennung, sondern vor allem in den ersten Wochen Sprachvermittlung benötigen, bietet die St. Marien-Gemeinde regelmäßig Sprachkurse an, die Flüchtlinge freiwillig besuchen können. Hier bekommen sie über 6 Wochen an jeweils vier Vormittagen in der Woche gute Grundlagen vermittelt, sodass sie sich bei einem Praktikum, oder auch auf der Straße und beim Einkaufen verständigen können.

Sozialarbeit in Wohnunterkünften
Mehrere Sozialarbeiter in Wohnunterkünften werden von der Kirche bzw. der Diakonie gestellt.  Es sind gut ausgebildete Kräfte, die nach christlichen Grundwerten handeln. Auch Kreisjugendwartin Claudia Prössel engagiert sich hier, insbesondere für

Kirchenkreis investiert 50.000 Euro
Aus einer Sonderzuweisung der Landeskirche hat der Kirchenkreistag Winsen im Sommer 2014 beschlossen, 50.000 Euro für Flüchtlingsarbeit zu verwenden. Die insgesamt gut 200.000 Euro sollten den Gemeinden zu Gute kommen. Da viele kleinere Gemeinden auch etwas für Flüchtlinge tun möchten, wäre ein Verteilungsschlüssel nach Gemeindegliedern an deren Bedarf vorbei gegangen. Jetzt kann jede Gemeinde zur Finanzierung ihrer Flüchtlingsangebote Mittel aus diesem Topf beantragen.

Zahlreiche Spenden für dieses Engagement
Eine Hamburger Stiftung hat eine größere Summe Geldes gegeben, damit für die Betreuung von Einzelfällen jemand in Teilzeit angestellt werden kann. Diese Person begleitet Flüchtlinge bei Behördengängen oder zum Arzt, sie vermittelt bei Konflikten in der Unterkunft oder weiß Rat, wenn eine Winterjacke aus dem sozialen Kaufhaus besorgt werden muss.
Auch die Kreisjugendwartin Claudia Prössel arbeitet jetzt einen Tag pro Woche mit Kindern von Flüchtlingen und Jugendlichen. Diese dürfen nach Erstankunft noch nicht einmal eine Schule besuchen.

Beitrag zur Integration
Superintendent Berndt und Pastor Kalmbach sehen in der Flüchtlingsarbeit einen wichtigen Beitrag zur Integration der Asylsuchenden. „Wir wissen nicht, ob sie hier bleiben dürfen und wir wissen auch nicht, wie lange sie hier sind. Aber solange sie hier sind, möchten wir ihnen mehr bieten, als nur ein Dach über dem Kopf und zu Essen“ sagt Pastor Kalmbach.

Und auch die Gemeindearbeit habe sich durch Flüchtlinge verändert stellt Superintendent Berndt fest. In der Hälfte der Gemeinden des Kirchenkreises gebe es inzwischen Flüchtlingsunterkünfte. Und in jeder dieser Gemeinden gebe es auch ein Internationales Café als Treffpunkt und als Kontaktfläche. Es sei nicht immer einfach in den Unterkünften, wo die Menschen auf engem Raum zusammen leben. Derzeit werde auch seitens des Landkreises überlegt, die Zweibett-Zimmer in Containern zu Drei-Bett-Zimmer zu machen. Dies stoße nicht immer auf Verständnis bei den Bewohnern der Unterkünfte. Aber der Landkreis könne keinen weiteren Wohnraum anmieten und Wohncontainer gebe es kaum noch zu kaufen, wegen der enormen Flüchtlingsströme.

„Bisher ist es in Winsen ruhig geblieben“ sagt Superintendent  Berndt abschließend. Er führt dies auch auf die zahlreichen Aktivitäten für Flüchtlinge zurück. „Und wir hoffen und beten, dass es so bleiben möge!“

Begangen wird das 111. Internationale Café ab 13 Uhr im Gemeindezentrum St. Marien in Winsen, Kirchstraße 2 im Stadtzentrum. Gäste sind herzlich willkommen!

Ab 17 Uhr schließt sich in Hoopte auf dem Obsthof Lehmbeck in Hoopte ein „Kunterbunter Adventsnachmittag“ an. (Hoopter Elbdeich 41)

Weitere Infos auf der Seite der St. Marien-Gemeinde: www.st-marien-winsen.de