Advent

Advent – der Count-Down läuft. Wer nun noch nicht alles bedacht und seine Pakete gepackt hat, der packt es vielleicht gar nicht mehr. Advent – das ist auch: Kekse backen mit Kindern und Enkeln, Weihnachtslieder, Punsch und Kerzen und nach einem kalten Spaziergang ein warmes Zuhause.

Advent – das ist, wenn ich merke: Meine Seele hat Hunger; auch sie braucht etwas: Ruhe, gute Gedanken, Zeit, etwas Schönes zum Freuen und ganz viel Liebe.

Aber meistens werde ich aus einem solchen Adventstraum ganz schnell wieder herausgerissen. Ich schalte den Fernseher an und die Bilder von Not und Tod und Hunger und Katastrophen verfolgen mich. Oder es ruft eine Freundin an und erzählt mir, dass sie sich von ihrem Mann trennen will. Ich werde dann wieder darauf gestoßen, dass wir es im Kleinen und im Großen nicht schaffen, dass wir Frieden halten in dieser Welt. Der Zuckerguss, mit dem wir in der Adventszeit gerne alles verzieren, wird hart und bricht.

Auch in den Zeiten des Paulus war anscheinend nicht alles Gold, was glänzte. Es ging manchmal hoch her in seinen Gemeinden, und auch die Christen in Rom hatten einen großen Streit. Viele Mitglieder waren Juden, so wie Jesus und seine Jünger auch. Und sie hielten sich immer noch zur jüdischen Gemeinde und achteten ihre Gesetze und Feiertage.

Aber auch Menschen, die vorher keine Juden waren, ließen sich vom Evangelium ansprechen und taufen, Heiden, wie man sie damals nannte. Diese beiden Gruppen, die Juden- und die Heidenchristen waren sich nun nicht einig. Die einen essen kein Schweinefleisch und halten den Sabbat, die anderen können damit nichts anfangen.

„Und so einer will Christ sein?!“, diesen Satz hat der eine oder andere auch heute sicher schon einmal gesagt oder zumindest gedacht. Auch in unseren Gemeinden kommen Menschen zusammen, die verschieden sind und ganz unterschiedliche Vorstellungen haben, was im Leben und im Glauben wichtig ist.

Auch Paulus kennt das, er ist Mensch genug, ein Hitzkopf noch dazu. Und doch hat er für die beiden Gruppen in Rom einen ganz einfachen Rat: „Nehmt einander an“, sagt er. Und zeigt mit zahlreichen Bibelzitaten, dass beide Seiten für Gott gleich viel wert sind. Paulus hält uns noch einmal die Grundlage unseres Glaubens vor Augen: Denkt doch an den Grund, auf dem Ihr alle steht. Denkt doch an das, was Jesus Christus für Euch getan hat.

Gott ist zu uns Menschen gekommen, um einer von uns zu sein. Er liebt uns Menschen so, dass er nicht anders kann: Er nimmt uns an – so wie wir sind. Jeden und jede von uns. Und darum kann ich das auch: Andere annehmen, andere gelten lassen, es in Frieden mit ihnen versuchen.

Advent – das ist, wenn diese Hoffnung auf Frieden immer wieder neu deutlich wird. Nehmen wir uns Zeit für diese kostbaren Momente, in denen unsere Sehnsucht nach Trost und Hilfe und Kraft, nach einer guten und gerechten Welt gestillt wird.

Amen.

Anita Christians-Albrecht