Am liebsten möchte Darius Elektroniker werden!

Er spricht perfekt deutsch, lebt schon über zwei Jahre im Landkreis und hat Abitur. Darius Zozo von der Elfenbeinküste ist einer von zwanzig Flüchtlingen, die jetzt an den Berufsbildenden Schulen einen Berufsvorbereitungs-Lehrgang absolvieren. Organisiert haben diesen Kurs Ehrenamtliche des Internationalen Cafés der St. Marien-Gemeinde in Winsen. Nach fünf Monaten Vorbereitungszeit fiel jetzt der Startschuss für zwanzig junge Männer. Drei Tage Praktikum in einem Winsener Betrieb und zwei Tage Schule stehen jede Woche auf dem Programm.

Alle Teilnehmer haben noch keinen festen Aufenthaltsstatus, weil über ihre Asylanträge noch nicht entschieden wurde. „Ich komme mir vor, wie im Gefängnis“ sagt Darius Zozo. Er wartet seit über zwei Jahren auf seinen Bescheid und möchte gern für sich eine Lebensperspektive.

Nur Essen und Schlafen ist dem jungen Mann viel zu wenig. Er möchte sein eigenes Geld verdienen, heraus aus staatlicher Hilfeleistung und sich eine eigene Existenz aufbauen. In seiner Heimat hat er als Medizintechniker in einem Krankenhaus in Abidjan, der Hauptstadt der Elfenbeinküste, gearbeitet. Nachdem neun seiner besten Freunde ermordet worden sind, hat ihn sein Vater zur Flucht gedrängt. Vater und Sohn waren mit dem Regime nicht einverstanden und haben sich politisch in der Opposition engagiert.

Darius_2_kleinDarius Zozo, der Namensgeber des „Darius-Projektes“ hat bereits vor einem Jahr als Gehilfe des Schulhausmeisters in Tespe gearbeitet. Dies geschah im Rahmen des Beschäftigungsprogramms des Landkreises Harburg, das vom Kirchenkreis initiiert, schon fast zwei Jahre läuft und inzwischen über 500 Personen in Praktika vermitteln konnte.

Außerdem hat Darius Zozo bei einer großen Winsener Firma ein dreimonatiges Praktikum im Bereich Elektronik absolviert. Diese Firma bietet ihm ab August 2016 eine Lehrstelle an.

Genauso wie Darius Zozo erhalten die übrigen Teilnehmer gezielten Sprachunterricht, der auch sehr viele handwerks-spezifische Vokabeln beinhaltet. Damit sind die Absolventen dann in der Lage, ab August eine Lehrstelle anzutreten. „Dies ist auch ein Beitrag für die heimische Wirtschaft“ sagt Bernd Egert. Er hat das Projekt maßgeblich konzipiert. Egert hat bis vor kurzem noch als Staatsrat in der Hamburger Wirtschaftsbehörde gearbeitet. Neben ihm sind Lehrer, Sozialarbeiter, Pastoren und viele Weitere an diesem Projekt beteiligt. Angeboten wird der Sprachunterricht von der Kreisvolkshochschule, die dafür auf Bundesmittel zurückgreifen kann. So ist sichergestellt, dass die Teilnehmer von einer festen Lehrkraft unterrichtet werden, teilweise auch noch unterstützt von weiteren Ehrenamtlichen.

Foto: Bernd Egert, Darius Zozo und Superintendent Christian Berndt.

Neuester Stand ist, dass die Stadt Winsen im ehemaligen Gasthaus „Zum nassen End“ ein Lehrlingswohnheim plant. So können sich diese jungen Männer gut auf ihre bevorstehende Berufsausbildung vorbereiten.