Bischof Ralf Meister zu Gast im Kirchenkreis

Am vergangenen Dienstag war Landesbischof Ralf Meister aus Hannover zu Gast beim erweiterten Kirchenkreistag Winsen. Gut 160 Personen aus Kirche und dem öffentlichen Leben hatten sich im Gemeindezentrum St. Jakobus in Winsen eingefunden, um Meisters Ausführungen zu „einer sich verändernden Kirche in einer sich verändernden Welt“ zu lauschen. Nach der Begrüßung durch Superintendent Christian Berndt und den Vorsitzenden des Kirchenkreistages, Hermann Poppe, nahm Meister sogleich Fahrt auf.

Er spannte einen weiten Bogen von den Ängsten der Menschen heute zu den Ängsten der Menschen im Mittelalter zur Zeit Martin Luthers. Dessen großer Verdienst sei gewesen, von einem gnädigen Gott überzeugt zu sein und damit dem Ablasshandel sowie dem falsch verstandenen Bußpilgern seiner Zeit kritisch gegenüberzutreten. Die Menschen damals hätten eine Lebenserwartung von 35-40 Jahren gehabt, aber auf eine ganze Ewigkeit danach gehofft. Heute hätten die Menschen eine Lebenserwartung von 80 Jahren, aber keine Hoffnung mehr darüber hinaus. Dies führe seiner Auffassung nach oft dazu, dass die heutigen Menschen getrieben seien vom Gefühl, in diesen 80 Jahren alles erlebt haben zu müssen.

Luthers Erkenntnis „allein aus Gnade werde man selig“ sei damals eine große Befreiung gewesen. Auch heute sei sie noch zu spüren und „täte der Kirche von heute auch manchmal wieder gut“. Meister sieht seine Kirche kleiner werden und er ermutigte die Zuhörer, dies auszuhalten. Dei Gruppe der Deutschen, die keiner Religionsgemeinschaft mehr angehörten, sei inzwischen die größte Bevölkerungsgruppe. Von 80 Millionen seien etwa 22 Millionen evangelisch und genau so viele katholisch. Die Gesellschaft verändere sich und auch die Kirche müsse und werde sich verändern.

So sehe er in Zukunft etwa mehr Ehrenamtliche Gottesdienste halten und die Pastoren in der Rolle von Anleitern für diese Ehrenamtlichen. Auch habe es in der Zeit von 1945 bis heute mehr Kirchenbauten gegeben, als in den 450 Jahren davor seit der Zeit Luthers.  Man war der Auffassung, dass wenn die Wege zur Kirche kürzer würden, steigere sich auch der Kirchenbesuch. Dies sei ein Irrtum. Heute würden diese vielen Kirchen zu einem riesigen Kostenfaktor und einer finanziellen Belastung.

Auch die Bemühungen der EKD von vor zehn Jahren („Wachsen gegen den Trend“ …) seien nach seiner Auffassung gründlich gescheitert. Er schlage deshalb vor, nach diesem ereignisreichen Jahr des Reformationsjubiläums und den anstehenden Kirchenwahlen im kommenden Jahr, in 2019 einmal ein Sabbatjahr einzulegen und kürzer zu treten. Dann kämen wahrscheinlich viele gute Ideen zu Tage. Meister ermutigte die Zuhörer, Neues zu wagen, „ruhig auch etwas Verrücktes“, um die Kirche lebendiger zu gestalten. Damit befinde man sich voll und ganz in der Tradition Martin Luthers. Er sei froh, dass „wir nicht krampfhaft bemüht sein müssten, die Kirche zu retten“, dies könne nur Jesus Christus tun. Und er sehe auch die Aufgabe das Wort Gottes  in Wort und Tat zu bezeugen. So nehme man in Hannover sehr wohl wahr, was im Winsener Kirchenkreis alles für Flüchtlinge getan worden ist. Dies sei schon vorbildlich für die gesamte Landeskirche.

In der anschließenden Fragerunde kamen Anliegen der Besucher zur Sprache. Auf die Frage etwa, ob sich Kirche politisch äußern solle bzw. müsse, oder auch lieber nicht, regte Meister die Besucher durchaus an, sich auch in gesellschaftlichen Fragen zu Wort zu melden. „Aber sagen Sie immer, dass Sie es als Christ und aus innerer Überzeugung heraus tun“. Abschließend äußerte Meister den Wunsch nach vielen Freiräume in der Kirche der Zukunft. „Da sind dann noch genug Menschen, die darauf achten, dass vieles so bleibt, wie es ist“.

Die Besucher quittierten Meisters Ausführungen mit lang anhaltendem Applaus. Als Dank überreichte Superintendent Christian Berndt eine weiße Lutherrose, die Gärtnermeister Bruno Franz aus Winsen gezüchtet hat. Mit Gebet und Segen beschloss der Landesbischof schließlich den Abend, bevor er die Rückfahrt nach Hannover antrat.

Bild: (v.l.n.r.) Hermann Poppe, Vorsitzender des Kirchenkreistages Winsen, Gerhard Koepsel, Kirchenkreisvorstand, Landesbischof Ralf Meister, Pastor Georg Wieberneit, Kirchenkreisvorstand und Superintendent Christian Berndt.

Hier sehen Sie weitere Fotos vom Abend: Bildergalerie Bischofsbesuch August 2017 in Winsen