Die Erinnerung wachhalten – Auch 73 Jahre danach!

Angesichts des wachsenden Antisemitismus bittet Landesbischof Ralf Meister die Gemeinden der Evangelisch-lutherischen  Landeskirche Hannovers, am kommenden Sonntag das Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus in den Gottesdienst mit aufzunehmen.

Meister verweist auf die hannoversche Kirchenverfassung, in der die Verbundenheit der Christen mit dem jüdischen Volk durch Gottes Wort und Verheißung betont wird. “Im Wissen um die Schuld unserer Kirche gegenüber Juden und Judentum”, so die Verfassung, “sucht die Landeskirche nach Versöhnung. Sie fördert die Begegnung mit Juden und Judentum.“

“Alle evangelischen Kirchen”, so Meister, “haben sich klar gegen jede Form des Antisemitismus gestellt, sich eindeutig von den judenfeindlichen Schriften Martin Luthers distanziert und von der Liturgie über die Bibelauslegung bis zu ihren Verfassungstexten vergangene Haltungen überprüft, ergänzt und revidiert. Für das konstruktive und dialogische Miteinander von Judentum und Christentum in Deutschland gibt es eine mehr als 50-jährige positive Geschichte.”

Der kommende Sonntag Septuagesimae fällt in diesem Jahr eng mit dem “Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus” am Samstag, dem 27. Januar, zusammen.

Bischof Meister hat allen Kirchengemeinden eine Arbeitshilfe für ein Gedenken im Gottesdienst geschickt. Darin heißt es:

Wir blicken zurück: Gestern vor 73 Jahren wurden das Vernichtungslager Ausschwitz-Birkenau und das Konzentrationslager Ausschwitz befreit. Orte, die uns mahnen, zu welch  unvorstellbarer Grausamkeit Menschen in der Lage sind. Jedes Jahr erinnert der 27. Januar an alle Opfer des Holocaust.

Wir blicken auf die Gegenwart: Eine Gegenwart, die uns Sorgen machen muss. „Jude“ ist wieder ein Schimpfwort geworden. Ein Fünftel der Bevölkerung hat eine latent judenfeindliche Einstellung. Antisemitismus ist ein aktuelles Problem. Als Christinnen und Christen sind wir verpflichtet, in unserem engsten Umfeld, in unseren Gemeinden, in unserer Landeskirche und wo immer es nötig ist, gegen jede Form von Antisemitismus aufzustehen. Aus der Erinnerung wächst die Verantwortung für unsere Zukunft. Treten wir gegen alle Kräfte an, die Jüdinnen und Juden bei uns und in der Welt in Verruf und in Gefahr bringen! Widersprechen wir laut, wenn unsere jüdischen Mitbürgerinnen und Mitbürger diskriminiert werden. Antisemitismus ist Sünde gegen die Menschheit und gegen Gott. (Ökumenischer Rat der Kirchen, 1948)

Gott, in dessen Namen wir hier zusammen sind.
Im Namen des Vaters, der Himmel und Erde geschaffen hat und Israel zu seinem Volk gemacht hat.
Im Namen Jesu Christi, Sohn Israels und Erstgeborener aus den Toten,
der uns herbeigeführt hat aus der Fremde.
Im Namen des Heiligen Geistes, der uns hilft, für den Schalom in dieser Welt einzutreten.
In seinem Namen feiern wir diesen Gottesdienst.