Flüchtlings-Arbeit im Kirchenkreis

Es begann mit einer Idee – jetzt sind die Internationale Cafés in Winsen und vielen anderen Orten des Kirchenkreises sowie das Beschäftigungsprogramm des Landkreises Harburg nicht mehr wegzudenken.

Superintendent Christian Berndt und Pastor Markus Kalmbach haben im September 2013 in Winsen einen Aufruf gestartet, sich für die zunehmende Anzahl von Flüchtlingen zu engagieren. Diesem Aufruf sind 60 Bürgerinnen und Bürger des Landkreises gefolgt. Schon vier Wochen später waren beim ersten Internationalen Café bereits 25 Personen zu Gast. Kurze Zeit später stieg die Teilnehmerzahl auf 50 bis 70 Personen, die heute immer noch Samstag für Samstag das Café besuchen. (Siehe auch das Foto von Pastor Markus Kalmbach oben aus 2015).
Begleitet werden die Flüchtlinge von jeweils 20 bis 30 Ehrenamtlichen, die mit an den Tischen des Gemeindezentrums der St. Mariengemeinde im Stadtzentrum sitzen.

Hier werden bei einer Tasse Kaffee Geschichten erzählt, Spiele gespielt und mit Hilfe des Wörterbuches erste Brocken Deutsch gelernt.

Nicht lange überlegen, wie das Konzept aussehen soll, sondern JETZT HANDELN lautete die Devise. „Was man braucht, ist etwas Mut, einen Raum und eine Kaffeemaschine!“ sagt Pastor Markus Kalmbach. „Und dann schauen, was funktioniert, und was nicht“.

Inzwischen liegen Erfahrungen aus knapp zwei Jahren vor. Und – es hat sich viel mehr entwickelt, als sich die Initiatoren des Treffpunktes anfänglich haben träumen lassen.

Weil die Sprachkurse des Landkreises nicht ausreichten, wurde kurzerhand ein eigener Sprachkurs organisiert, an dem 15 Personen über sechs Wochen lang teilnahmen. (Foto oben) Inzwischen fanden schon eine ganze Reihe an Sprachkursen statt, weil Asylbewerber noch keinen Rechtsanspruch auf einen Sprachkurs haben und die Volkshochschule den Anfragen nicht mehr nachkommen kann. Aus unserer Sicht ist die Sprachvermittlung ein zentraler Schlüssel zur Integration dieser Menschen.

Beschäftigungsprogramm für Flüchtlinge
Ein weiteres Ergebnis der Flüchtlingsarbeit ist das Beschäftigungsprogramm für Flüchtlinge. (siehe auch NDR Beitrag unten) Diese können bis zu 20 Stunden in der Woche gemeinnützige Arbeit verrichten für 1,05 Euro pro Stunde. Der Landkreis Harburg hat hierfür Gelder bewilligt, sodass der Herbergsverein Winsen nur für diese Aufgabe seit dem 1. April 2014 zwei Sozialarbeiter anstellen konnte. Inzwischen sind bereits 400 Vermittlungen erfolgt. (Stand August 2015)

Fahrrad-Werkstatt
Auch eine Fahrradwerkstatt ist inzwischen entstanden. Aus anfänglich eigenen Versuchen hat eine Kooperation mit der Ortsgruppe Winsen des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs den  Erfolg gebracht. Deren Mitglieder haben viel Erfahrung mit Reparaturen. Und: Die Flüchtlinge müssen selbst mit schrauben. So hat das selbst reparierte Fahrrad einen hohen ideellen Wert.
Gerade solche Flüchtlinge, die nicht im Stadtzentrum, sondern in Ortsteilen oder Nachbargemeinden untergebracht sind, können jetzt mit dem eigenen Fahrrad in die Stadt fahren und am Internationalen Café sowie bei weiteren Aktionen teilnehmen.

Kleiderspenden
Kleidung
wurde zu Beginn noch gesammelt und verteilt. Dies hat aber immer wieder zu Konflikten geführt. (Wer darf sich als Erster eine Winterjacke aussuchen?) Hier funktioniert die Zusammenarbeit mit dem sozialen Kaufhaus Fundus des Deutschen Roten Kreuzes hervorragend. Die Artikel dort kosten wenig Geld und zu den Mitarbeitenden gibt es einen sehr kurzen Draht, sodass schnell das Fehlende vermittelt werden kann.

Kirchenasyl
Es hat in der Vergangenheit mehrere Fälle von Kirchenasyl gegeben, die aber nicht öffentlich gemacht wurden. Vielmehr bestand auch in diesen begründeten Fällen ein sehr enger Draht zum Landkreis Harburg, dem das Asyl gemeldet wurde. Wie es die Rechtsprechung will,  fällt der Flüchtling dann aus der finanziellen Hilfeleistung heraus, sodass die Gemeinde selbst für ihn sorgen muss.

Zeitaufwand
Die gesamte Arbeit wurde anfänglich ehrenamtlich geleistet, bzw. von Pastor Kalmbach zusätzlich zu seinem eigentlichen Dienst in der Gemeinde. Schnell war klar, dass dies keine Dauerlösung sein kann. So gab es seitens der Landeskirche Unterstützung für die Gemeinde in Form einer Teilzeit-Pastorin. Durch großzügige Spenden von Service-Clubs und der Hartog-Stiftung aus Hamburg konnte eine Mitarbeiterin angestellt werden, die Flüchtlinge bei Behördengängen etc. begleitet und sie in ihren

Mitmachen?
Es werden immer ehrenamtliche Helfer gesucht!
Wenn Sie gern mithelfen möchten, dass sich die Gäste bei uns wohl fühlen, dann melden Sie sich bitte bei Pastor Markus Kalmbach, Tel. 04171-4787 oder kommen Sie samstags in Internationale Café im Gemeindezentrum St. Marien. Die Termine finden Sie im Terminkalender.

Wenn Sie Fragen haben
zur Arbeit mit Flüchtlingen oder in Ihrer Gemeinde ebenfalls einen Treffpunkt anbieten möchten:

Pastor Kalmbach steht gern für Auskünfte zur Verfügung. Tel. 04171-4787 oder per Mail: Markus.Kalmbach@t-online.de.

Dokumentation der bisherigen Aktivitäten
Hier finden Sie eine ausführliche Dokumentation der bisherigen Aktivitäten im Kirchenkreis Winsen seit Oktober 2013
von Superintendent Christian Berndt zum Download (4Mb): Dokumentation:  Ein Jahr Internationales Cafe in Winsen

Der NDR hat mit einem Filmteam einen Flüchtling aus dem Iran bei seiner Arbeit im Freilichtmuseum Kiekeberg (Beschäftigungsprogramm) begleitet. Dieser Beitrag ist leider nicht mehr verfügbar.
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In einem Filmbeitrag des SWR im Vorfeld des Deutschen Evangelischen Kirchentages gab es einen weiteren Bericht, der Einblicke in die Winsener Flüchtlingsbetreuung gibt.
Bitte aufs Bild klicken!

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Weitere Informationen finden Sie hier: kirchenkreis-winsen.de/fluechtlinge/internationale-cafes/

Hier finden Sie die vom Kirchenkreistag Winsen/Luhe am 3. Juli 2014 beschlossene Resolution zum Umgang mit Flüchtlingen in Deutschland:

PM Kirchenkreis Winsen beschliesst 50000 Euro für Flüchtlingsarbeit

Hier finden Sie demnächst den Entwurf für eine Resolution des Kirchenkreistages Winsen, die auf der nächsten Sitzung am 6. September 2016 abgestimmt werden soll.