6 Personen pro Wohncontainer

Auf seiner Sitzung am 6. September 2016 in Hanstedt hat der Kirchenkreistag Winsen intensiv über die Unterbringung von Flüchtlingen im Landkreis Harburg beraten. In vielen der Containerdörfer gibt es aufgrund der Wohnsituation Probleme, die aus Sicht des Kirchenkreistages vermeidbar wären.

So seien derzeit in den meisten Container-Unterkünften 9 Personen pro Container untergebracht. Ursprünglich waren es 6 Personen, die sich 3 Schlafräume teilen, aber nur 1 kleines Badezimmer mit Dusche und Toilette haben. Wie ehrenamtlich und hauptlich Mitarbeitende mehrfach berichteten, kommt es hier oft zu Engpässen und auch zu Agressionen.
Vorgesehen sind diese Container für 6 Personen.

Der Landkreis hatte im vergangenen Jahr wegen der hohen Flüchtlingszahlen die Belegung der Container von 6 auf 9 Personen verfügt und teilweise auch gegen den Willen der dort schon Wohnenden durchsetzen müssen. Hier sind Mitarbeitende des Kirchenkreises vermittelnd tätig gewesen, um die Situation zu entschärfen und auch, um Polizei-Einsätze zu verhindern.

Da der Zustrom von Flüchtlingen inzwischen abgeebbt ist, erscheint jetzt aus Sicht des Kirchenkreises eine Belegung mit 6 Personen pro Container wieder möglich. 

Hier der Wortlaut des Kirchenkreistags-Beschlusses:

Bitte an den Landkreis Harburg zur Unterbringung von Flüchtlingen

Der Kirchenkreistag des Kirchenkreises Winsen (Luhe) ist dankbar, dass alle in der
Vergangenheit in den Landkreis Harburg zugewiesenen Flüchtlinge und Asylbewerber eine
Unterkunft erhalten haben und mit dem Notwendigsten versorgt sind. Wir schätzen sehr, wie
vorbildlich und umfangreich der Landkreis seine Aufgaben angeht und sehr kooperativ
umsetzt.

Wenngleich zurzeit sehr viel weniger Flüchtlinge zugewiesen werden als noch vor einem
Jahr, so ist ein Ende der Zuwanderung nicht abzusehen. Die Zahl der Flüchtlinge weltweit
nimmt weiterhin drastisch zu. Europa als Ziel der Zuwanderung wird nach wie vor bestehen
bleiben. Die globalen Fluchtbewegungen werden uns in den nächsten Jahren weiterhin hier
vor Ort herausfordern.

Die Unterbringung von Menschen in unserem Kirchenkreis bedeutet für uns als Christinnen
und Christen, dass wir uns in allem unseren Bemühen um die Integration der hier lebenden
Menschen kümmern werden. Losgelöst von den individuellen Geschichten, rechtlichen
Hintergründen und persönlichen Schicksalen der Geflüchteten sehen wir unsere Aufgabe
darin, den Aufenthalt der Flüchtlinge human und wertschätzend zu gestalten. Dieses
Bemühen ist gelebte Integration.

Wir wollen der Kirchenkreis mit „Integrationshintergrund“ sein. Damit wollen wir
gesellschaftliche Akzeptanz der Geflüchteten und ein gedeihendes Miteinander fördern.

Ein zentraler Aspekt gelingender Integration ist die Wohnsituation der Geflüchteten. In der
Regel sind das große Camps, in denen derzeit neun (9) Menschen drei Zimmer, ein Bad und
eine Küche teilen müssen. In Familienunterkünften liegt die Zahl zum Teil höher. Dort, wo
noch nicht die Belegung mit neun Personen vollzogen ist, will der Landkreis „verdichten“, um
die Kosten für die Unterbringung zu senken. Im letzten Winter haben viele von uns den
Landkreis und die Polizei dabei unterstützt, die Verdichtung in den Unterkünften
durchzusetzen. Dies geschah allerdings aufgrund der Prämisse, dass es sich um eine
vorübergehende Notmaßnahme handle.

In den Wohncontainern gibt es keinerlei Privatsphäre; keinen Rückzugsort zum Lernen;
Besuch zu empfangen; allein zu sein. Unterschiedliche Schlaf- und Wachzeiten machen die
Situation noch schwieriger. Die meiste Energie müssen die Geflüchteten dafür aufbringen,
sich untereinander zu ertragen.

Wir wollen jedoch, dass die Geflüchteten die meiste Energie für Integration aufwenden
können. Das verkürzt die Verweildauer in den Camps, spart somit Kosten, entspannt das
Miteinander in den Großunterkünften und hilft bei der dringend notwendigen
gesellschaftlichen Akzeptanz.
Sowohl Geflüchtete als auch Ehren- und Hauptamtliche in kirchlicher Flüchtlingsarbeit
leiden unter der Enge und den daraus entstehenden Nachteilen.

So bitten wir den Landkreis Harburg, die Verdichtung zurückzunehmen und die
Flüchtlinge auf die derzeit leerstehenden Unterkünfte im Landkreis zu verteilen. Der
Landkreis möge die ursprünglich geplante und zugesagte Unterbringung in den Camps mit
maximal sechs Personen pro Wohneinheit als Standard etablieren. Wir sind uns der
zusätzlichen finanziellen Belastung bewusst, sehen aber auch das Einsparpotential durch
eine effektivere Integration.

Wir lassen uns dabei von einem Spruch der Bibel leiten. Im 3. Buch Mose Kapitel 19,33f heißt es:
Wenn ein Fremdling bei euch wohnt in eurem Lande, den sollt ihr nicht bedrücken.
Er soll bei euch wohnen wie ein Einheimischer unter euch, und du sollst ihn lieben wie
dich selbst.

Wir sind der festen Überzeugung, dass die biblische Aufforderung ganz praktisch den
größten Nutzen für alle Beteiligten hat. Die Art der Unterbringung ist zentraler Baustein in
allen unseren Bemühungen.

Wir bitten daher den Landkreis, die Wohnsituation der Flüchtlinge zu entspannen und
laden den Landkreis dazu ein, gemeinsam mit uns das Ziel der Integration als oberste
Prämisse der Flüchtlingsarbeit zu definieren.

Hanstedt am 6. September 2016
Kirchenkreistag des Kirchenkreises Winsen (Luhe)

Hermann Poppe (Vorsitzender)
Christian Berndt (Superintendent)