Voneinander getrennt und doch gemeinsam (von Sup. Christian Berndt)

14.5.2020 (update 31.5.)
Alle Kirchengemeinden im Kirchenkreis Winsen starten wieder mit Gottesdiensten

Eine Terminübersicht finden Sie wie gewohnt hier: Termine

In den Gemeinden haben sich die Kirchenvorstände beraten und festgelegt, ob, wann und wie in den nächsten Wochen Gottesdienste gefeiert werden. Alle Gemeinden haben positiv entschieden und zwischen dem 17. und dem 24. Mai mit ersten Angeboten begonnen. Dabei sind die konkreten Ausgestaltungen sehr vielfältig.

Mit viel Arbeit und Kreativität haben die Verantwortlichen in den Kirchengemeinden in den letzten beiden Wochen wieder gottesdienstliches Leben möglich gemacht. Dafür bin ich sehr dankbar. Die ersten Erfahrungen sind ambivalent. Ich erlebe Menschen, die ganz erleichtert sind, dass wir uns wieder treffen können zum Gottesdienst. Andere sind bei aller Freude enttäuscht: „Ohne Singen ist das nur halb so schön.“ Die Gemeinden planen, die Regelungen zu überprüfen, sobald die ersten Erfahrungen gemacht und ausgewertet wurden.

Die beschlossenen Lösungen sind sehr unterschiedlich: Die Kirchengemeinde Fliegenberg bittet die Bewohner des entlang einer Dorfstraße situierten Ortes, abschnittsweise zu unterschiedlichen Zeiten in die Kirche zu kommen. In den größeren städtischen Kirchen, beispielsweise in Winsen, können die Kirchtüren zur gewohnten Zeit geöffnet werden. Einige Gemeinden (Egestorf, Handorf, Ramelsloh) nutzen das Frühlingswetter, um einen Gottesdienst draußen zu feiern. In Handorf gab es einen zusätzlichen Gottesdienst für Konfirmanden und ihre Familien. Voraussetzung für Gottesdienste ist immer die Einhaltung der behördlichen Hygieneauflagen, die neben häufigen Reinigungen unter anderem das Tragen eines Mund-Nase-Schutzes und einen ausreichenden Abstand zwischen den Gottesdienstbesuchern einfordern, so dass die Anzahl der Plätze deutlich reduziert ist. Auch ist das Singen leider nicht möglich. 

Auf der Ebene der Landeskirche Hannovers gibt es ganz unterschiedliche Entscheidungen. Einige Gemeinden finden, Gottesdienste ohne Singen seien keine richtigen Gottesdienste, und fangen demzufolge nicht vor Pfingsten mit Gottesdiensten an. Es gib auch Gemeinden, die in die Nachbarkirchen einladen, weil die Hygienevorschriften vor Ort nicht durchführbar sind.

Innerhalb unseres Kirchenkreises werden sich in den nächsten Wochen ganz unterschiedliche Ansätze im Hinblick auf Zeiten, Orte, Längen und Inhalte der Gottesdienste herausbilden. Ich bin dankbar, dass Pfarrämter und Kirchenvorstände sehr verantwortungsvoll und kreativ mit der Situation umgehen. (cb am 14.5.)

Die Handlungsempfehlungen der Landeskirche Hannovers werden regelmäßig aktualisiert: https://www.landeskirche-hannovers.de/evlka-de/presse-und-medien/nachrichten/2020/02/2020-02-28_2

Trauerfeiern: Die Begleitung von Trauernden liegt uns sehr am Herzen. Die Trauerfeiern in besonderer Form haben sich eingespielt: Unter freiem Himmel und nur mit den engsten Angehörigen wird ein kleiner Gottesdienst gefeiert. Für die Angehörigen ist das hart. Sie zeigen jedoch Verständnis, dass es jetzt auch um den Schutz der Lebenden geht. Wir als Pfarrerschaft bieten an, zu einem späteren Zeitpunkt noch einen Gedenkgottesdienst im größeren Kreis zu feiern, damit auch Freude, Nachbarn und andere einen Ort der Trauer haben.

Für Trauerfeiern in den Kapellen und Kirchen, aber auch unter freiem Himmel, gelten die Richtlinien, die auch für Gottesdienste gelten: Mit Abstand, Mundschutz, ohne Singen. Die meisten Kapellen haben unter den gegenwärtigen Standards nur sehr geringe Platzkapazitäten. Es entscheidet letztlich der Kirchenvorstand vor Ort, ob überhaupt schon Trauerfeiern in der Kapelle stattfinden können.

Falls ein Pastor oder eine Pastorin aus gesundheitlichen Gründen die Trauerfeier nicht leiten kann, sorgen wir für Ersatz.

Taufen und Trauungen: Viele Gemeindeglieder freuen sich eigentlich auf fröhliche Feste in diesem Jahr. In der heutigen Situation nehmen die Kirchengemeinden jedoch in der Regel Anmeldungen zur Taufe und Trauung nur unter Vorbehalt an. Viele Trauungen und Taufen sind inzwischen verschoben.

Konfirmationen: Die Gemeinden im Kirchenkreis Winsen haben ihre Konfirmationen in den Herbst verschoben, um dann hoffentlich wieder fröhliche Familienfeste feiern zu können.

Kirche online: In den letzten Wochen hat das Kontaktverbot ganz viele kreative Ideen freigesetzt, wie wir auch ohne körperliche Nähe miteinander unterwegs sein können. Es gibt viele Angebote deutschlandweit. Aber auch viele unserer Kirchengemeinden haben auf ihren homepages schon Andachten und Gottesdienste online gestellt.

Der Kirchenkreis bietet zusätzlich jetzt verlässlich jeden Sonn- und Feiertag einen ca. 30 minütigen Gottesdienst aus unterschiedlichen Kirchen des Kirchenkreises. Mehr dazu auf den homepages Ihrer Kirchengemeinden und des Kirchenkreises (www.kirchenkreis-Winsen.de )

Analog: Die Kirchengemeinden kommen mit ihren Gemeindegliedern jedoch auch anders in Kontakt. Gerade für Menschen, die digital noch nicht so unterwegs sind, werden jetzt persönliche Briefe geschrieben. Pastorinnen und Pastoren oder Mitglieder aus dem Besuchsdienstkreis rufen einfach mal an und ich höre von vielen sehr erfüllten Telefonaten.

In den Schaukästen und Gemeindebriefen sind die Telefonnummern der Pfarrerschaft zu finden. Geplante Urlaubszeiten sind abgesagt. Die Pastorinnen und Pastoren vor sind direkt erreichbar – oder rufen zurück.

Und es werden Dinge ausprobiert. Zum Beispiel: Ab dem 29.3.2020 gibt es eine tägliche „Telefonandacht aus dem Handorfer Pfarrhaus“ unter der Telefonnummer 04133 222795. 

Menschen verabreden sich zu gemeinsamen Gebeten oder gemeinsamer Bibellese – jeder in seiner Stube und doch gemeinsam.

Abendsingen und Abendgebet: Ich freue mich darüber, dass die Kirchengemeinden im Kirchenkreis Winsen beim abendlichen Läuten um 19 Uhr mitmachen. Ich selbst genieße es, in aller Ungewissheit diesen festen zeitlichen Ort am Tag zu haben. Viele Menschen warten auf dieses Läuten und singen danach drei Verse von „Der Mond ist aufgegangen“ oder andere Abendlieder. Ich bekomme immer wieder sehr positive Rückmeldungen von Menschen, die sich in der Gemeinschaft des Singens und Betens miteinander verbunden wissen. Obwohl jetzt die Gottesdienste wieder anfangen, bleibt das Abendläuten in vielen Gemeinden bestehen.

Diakonie: Unsere diakonischen Beratungsstellen arbeiten weiter. Beratungen finden telefonisch statt, manchmal auch persönlich, wenn es nötig ist. Wichtig ist es, telefonisch vorab einen Termin auszumachen.

Verantwortungsträger: Ich bin sehr dankbar dafür, dass Kirchenvorsteherinnen und Kirchenvorsteher und andere Ehrenamtliche trotz manchem Krisenmanagement am Arbeitsplatz und Sorgen in den Familien weiterhin Verantwortung in den Kirchengemeinden übernehmen. Gespräche und Sitzungen werden per Telefonkonferenz abgehalten, manchmal auch als Videokonferenzen

Ausblick: Ich sehne mich nach gemeinsamem Abendmahl, nach Gottesdiensten, nach einer geschwisterlichen Umarmung. Aber das braucht noch Geduld.

Ich bin dankbar, dass wir trotz aller Trennung gemeinsam auf dem Weg bleiben. Bleiben Sie behütet.

Ihr Superintendent Christian Berndt