Hilfen für Geflüchtete in Ausbildung

Seit dem 1. Februar 2019 läuft das Projekt „Empowerment in der Ausbildung“ im Landkreis Harburg. Dabei sollen Geflüchtete, die eine Berufsausbildung absolvieren, bestmöglich gefördert werden, um auch den Abschluss erreichen zu können.

In engem Schulterschluss arbeiten hier unter der Federführung des Herbergsvereins Winsen (Luhe) e.V. erneut die Berufsbildenden Schulen, die Stadt Winsen, der Landkreis Harburg, der Kirchenkreis Winsen sowie viele Ehren-amtliche zusammen. Gefördert wird das Projekt zum überwiegenden Teil durch die „Aktion Mensch“, aber auch durch Gelder des Kirchenkreises sowie des Diakonischen Werkes.

„Diese Kooperation hat sich schon bei den Vorgängerprojekten Darius I und Darius II bewährt“ sagt Bernd Egert aus Winsen. Der pensionierte Hamburger Staatsrat engagiert sich schon seit längerer Zeit in der Betreuung Geflüchteter. „Wer heute ausbildet, sichert sich seine Fachkräfte von morgen“ ist Egert überzeugt. Für junge Menschen mit einem Fluchthintergrund, die einen Beruf erlernen wollen, stelle aber der schulische Teil der Ausbildung eine große Hürde dar.

Egert arbeitet mit im Internationalen Cafe der St. Mariengemeinde. Für die Praktikanten des ersten Darius-Projektes hatte er vor zwei Jahren die Auswahlgespräche geführt. Im Anschluss seien viele dieser Praktikanten von den Firmen auch in eine Ausbildung übernommen worden. Dabei zeigte sich jedoch weiterer Förderbedarf.

Hier setzt jetzt das neue Projekt an. Dabei sind drei Sozialarbeiter des Herbergsvereins in ständigem Kontakt mit den Berufsbildenden Schulen in Winsen sowie den Ausbildungsbetrieben. In der Schule stellen sie den jungen Geflüchteten verschiedene Hilfsangebote vor und versuchen, in Einzel-gesprächen den individuellen Hilfebedarf der jeweiligen Person zu ermitteln.

Um dann bestmöglich helfen zu können, werden Zielvereinbarungen mit dem Geflüchteten geschlossen und deren Erreichung besprochen. „So können auch kleine Erfolge und Fortschritte sichtbar gemacht werden“ erläutert Tim Langner vom Herbergsverein den Ansatz. Er koordiniert das Projekt. „Solch ein Gespräch über kleine Erfolge hilft den Geflüchteten oft gegen das manchmal aufkommende Gefühl, es sei alles zu schwer und es gehe zu langsam mit dem Neuanfang in Deutschland“ erzählt Langner weiter.

Wenn der Unterstützungsbedarf feststeht, fragen die Sozialarbeiter bei allen Kooperationspartnern nach, wer etwa Nachhilfe in Mathematik geben oder Auszubildende in der Pflege unterstützen kann. Durch die große Zahl der Ehrenamtlichen in der Flüchtlingsbetreuung der Winsener Gemeinde findet sich meist sehr schnell jemand, der solch eine Aufgabe für eine bestimmte Zeit übernehmen kann.

Weiter wird aber auch geschaut, wie das soziale Umfeld der Geflüchteten aussieht und u.U. ein Kontakt mit einem Sportverein hergestellt. „Da gehe ich dann schon mal einen Abend mit einem Geflüchteten im Verein kicken“ erzählt Tim Langner weiter. Ihm ist wichtig, dass nicht nur die Berufsausbildung möglichst erfolgreich absolviert wird, sondern dass insgesamt die Integration gut gelingt. „Dazu gehören auch Kontakte zu gleichaltrigen Deutschen“.

Insgesamt werden im Rahmen dieses Projektes etwa 70 junge Geflüchtete bis zum Juni 2021 an den Berufsbildenden Schulen begleitet.

Auch Winsens Bürgermeister André Wiese ist überzeugt von dem Projekt:

„Gelingende Integration braucht Sprache, Beschäftigung und Regeln. Seit Jahren engagieren sich viele unterschiedliche Menschen in unserer Stadt hierfür. Mit großem Einsatz, der Initiierung von verschiedenen Projekten sowie der Zusammenarbeit vieler Akteure im lokalen Netzwerk wird hier in Winsen ein starkes Zeichen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt gesetzt“.

„Das Projekt ist nur ein Teil der vielen, intensiven Bemühungen um die berufliche Integration Geflüchteter im Landkreis Harburg“ zieht Tim Langner Bilanz. „Die Akteure hier tun sich seit Jahren in ihrem Engagement und in ihrer Kreativität hervor, wenn es darum geht, Geflüchtete auf dem Weg in den Beruf und damit in die Gesellschaft zu unterstützen“. Viele Anstöße hätte dafür die ‚Dariusgruppe‘ gegeben, die sich aus Ehrenamtlichen des Internationalen Cafés in Winsen rekrutiert hat und mittlerweile durch den Landkreis Harburg, die Stadt Winsen (Luhe), durch den Herbergsverein Winsen (Luhe), die BBS Winsen (Luhe) sowie den Kirchenkreis Winsen unterstützt wird.

„Aus der Kooperation dieser verschiedenen Partner sind viele gute Projekte entstanden“ ergänzt Superintendent Christian Berndt. Er verweist auf das Lehrlingswohnheim in der Deichstraße, ein Projekt für fachliche Nachhilfe für Geflüchtete, das derzeit an den BBS stattfindet (beide werden durch den Landkreis und die Stadt finanziell unterstützt) und nicht zuletzt sei auch das Projekt „Empowerment in der Ausbildung“ des Herbergsvereins das Resultat dieser Arbeit. Man habe aufgrund der gesammelten Erfahrungen jeweils neu überlegen müssen, wie es gut weitergehen kann mit der Unterstützung Geflüchteter. Froh sei er über die gegenseitige Unterstützung und enge Kooperation aller dieser Partnerinnen und Partner.

Darüber hinaus hätten sich auch die Berufsbildenden Schulen Winsen durch ihr Engagement etwa bei den ‚Sprintklassen‘ sowie durch ihre Offenheit für weitere Unterstützungsangebote um die Geflüchteten im Landkreis verdient gemacht.

„Was jetzt noch fehlt, ist die Unterstützung von höheren Stellen, um die entwickelten und erprobten Angebote zu verstetigen und ins Regelsystem zu integrieren“ so Tim Langner abschließend. Schön wäre es, wenn Hilfebedarfe mehr vom Menschen aus gedacht und konzipiert würden. „Das Ziel muss sein, dass sich das Hilfesystem an den jeweiligen Menschen anpasst und nicht der Mensch dem System angepasst wird“ so Langners Hoffnung für die Zukunft.

Wer das Projekt unterstützen möchte, kann sich mit dem Herbergsverein Winsen unter Telefon 04171-654564 in Verbindung setzen oder per Mail: integration@herbergsverein-winsen.de

Bericht: Wilfried Staake

Bild: Sie alle engagieren sich für eine bessere Integration junger Geflüchteter: Thomas Degen, Leiter der Berufsbildenden Schulen; Kristina Josten, Landkreis Harburg; Jürgen Meyer, Bernd Egert, Tim Langner vom Herbergsverein; Superintendent Christian Berndt.

Vordere Reihe: Valeska Reiber, Landkreis Harburg; Ulrike Tschirner, Stadt Winsen; Gudrun Spöring, Berufsbildende Schulen: Lisa Haizmann, Herbergsverein und Jürgen Baumgarten. Foto: Wilfried Staake