„Seien Sie wachsamer beim Konsum!“

Auf reges Interesse stieß das „Brot für die Welt-Mobil“ am Sonntag in Stelle. Aus Anlass des 60-jährigen Bestehens der Hilfsorganisation besuchen Mitarbeitende von Brot für die Welt unter dem Motto „60-Jahre – 60 Tage – 60 Orte“ erstmals sämtliche Kirchenkreise der Landeskirche Hannovers.

Am gestrigen Sonntag nutzen sie die Gelegenheit, im Rahmen der Predigtreihe „Tatort Bibel“ in Stelle vorbeizuschauen. In dieser Reihe geht es um Mordfälle, über die in der Bibel berichtet wird. Pastorin Anja Kleinschmidt erzählte im Gottesdienst in Stelle die Geschichte von Nabots Weinberg, den der König gern besitzen wollte. Nabot sah sich aber nicht in der Lage, das Familienerbe zu veräußern. So kam die Frau des Königs auf die Idee, den Eigentümer eines Vergehens zu bezichtigen und ihn daraufhin steinigen zu lassen. Bei Gesteinigten fiel das Erbe seinerzeit dann an den König.

Dies sei ein Bespiel für „Landgrabbing“ – also Landraub, sagte Uwe Becker, Referatsleiter bei Brot für die Welt Niedersachsen. Er erzählte im Gottesdienst, wie die Hilfsorganisationen unter anderem Kleinbauern unterstützt, die von dem Land, das sie ernährt, vertrieben werden sollen. Dies geschehe vermehrt in den letzten zehn Jahren in Afrika, Asien und auch Südamerika.

Dort würden – meist unter dem Vorwand, etwas für die Welternährung tun zu wollen – größere Flachen von Kleinbauern enteignet und von der Agrar-Industrie genutzt. Die Landbevölkerung profitiere aber in keiner Weise hiervon. Es werde dann meist Wald abgeholzt, Trinkwasser vermehrt abgepumpt und es würden auch massiv Pflanzenschutzmittel eingesetzt.

Die so erzeugten Lebensmittel würden der Landbevölkerung schließlich zu teuren Preisen angeboten. Ein weiteres Beispiel für Landraub sei der Anbau von Rohrzucker zur Gewinnung von Biosprit für den europäischen Markt. Manchmal helfe die Unterstützung von Juristen, so Becker, um die Eigentumsverhältnisse zu klären und das Recht auch durchzusetzten.

Darum riet Uwe Becker allen Gottesdienstbesuchern: „Auch Sie können etwas tun! Seien Sie wachsamer, wenn es um Ihren Konsum geht.“ Allzu oft würde unser Einkauf mit günstigen Preisen nur möglich, weil am anderen Ende der Erde Menschen ausgebeutet und deren Lebensgrundlagen verschlechtert oder gar zerstört würden.

Viele Besucher informierten sich im Anschluss an den Gottesdienst am Brotmobil über die vielfältigen Projekte von Brot für die Welt. Und auch die Kollekte von knapp 400 Euro war für das Hilfswerk bestimmt.

Noch bis zum 24. August ist das Mobil in Niedersachsen unterwegs, um auf Wochenmärkten, in Gottesdiensten oder auf Info-Veranstaltungen über die Arbeit der Hilfsorganisation zu informieren.