„Ein feste Burg ist unser Gott – Musik um Martin Luther“- Musik in alten Heidekirchen

Konzert zum 500jährigen Reformationsjubiläum „Ein feste Burg ist unser Gott – Musik um Martin Luther“

Ensemble Himlische Cantorey: Veronika Winter-Sopran, Johannes Euler-Altus, Nils Giebelausen-Tenor, Georg Poplutz-Tenor, Ralf Grobe-Bass, Gregor Hollmann, Orgel

Konzert Sonntag, 10. September 2017, 17 Uhr, St. Stephanus Egestorf
Eintritt 12€ (erm. 10€ für Inhaber der NDR Kultur Karte), nur Abendkasse

Die von Martin Luther in Wittenberg initiierte Reformation gilt als die große epochale Zäsur in der deutschen Geschichte des 16. Jahrhunderts. Sie wirkte sich auf alle Bereiche des gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und geistigen Lebens aus. Auch in der Musik führte sie zu einem Stilwandel, der von Luther selbst entscheidende Impulse erhielt. Nach seinem Thesen-Anschlag von 1517 beschäftigte er sich nicht nur mit der sprachlichen, sondern auch mit der musikalischen Gestaltung einer erneuerten Liturgie.

Ziel war es, den Ablauf der Messe durch die Übertragung in die deutsche Sprache verständlich zu machen und die Gemeinde auch musikalisch einzubinden. Martin Luther war somit wesentlich an der Entwicklung des evangelischen Liedgutes beteiligt. Im Jahr 1523 erschien das erste gedruckte protestantische Liederbuch und stieß eine Entwicklung an, die bald zu einer Lösung von den musikalischen Traditionen der alten Kirche führte und ein eigenes Profil gewann.

Man mag sich kaum vorstellen, welch ein kultureller Reichtum unserer Welt verloren gegangen wäre, hätte Luther sich der Meinung anderer Reformatoren wie Zwingli und Calvin angeschlossen, die der Kirchenmusik gegenüber skeptisch eingestellt waren und die Kirche von allem überflüssigen Tand befreien wollten. Doch Luther war sich der spirituellen Kraft der Musik gewahr und belegte die Notwendigkeit eines musikalisch geprägten Gottesdienstes auch anhand der Bibel. Den Vers Kolosser 3,16 übersetzte er mit den Worten: „Lasset das Wort Christi unter euch reichlich wohnen. In aller Weisheit lehret und vermahnt euch selbst mit Psalmen und Lobgesängen und geistlichen lieblichen (das ist tröstlichen / holdseligen / gnadenreichen) Liedern und singet dem Herrn in eurem Herzen.“

Und an den von ihm sehr verehrten Hofkapellmeister der bayerischen Herzöge, Ludwig Senfl, schrieb Martin Luther 1530 in einem Brief: „Ich urteile frei heraus und scheue mich nicht zu behaupten, dass es nach der Theologie keine Kunst gibt, die der Musik gleichzustellen wäre, weil sie allein nach der Theologie das schenkt, was sonst allein die Theologie schenkt: ein ruhiges und fröhliches Herz.“

Inwieweit Martin Luther bei der Erfindung seiner deutschen Kirchenlieder allein agierte, ist bis heute umstritten. Bei der musikalischen Ausarbeitung der deutschen Messe erhielt er aber nachweislich im Jahr 1525 Unterstützung durch Johann Walter, seit 1520 Hofkomponist der sächsischen Kurkapelle. Walter gilt mit Fug und Recht als erster bedeutender Komponist der Reformation und vertonte Luthers Lieder erstmals in mehrstimmigen Gesängen. Neben der traditionellen, kunstvollen Motettenform, in der die Choralmelodie als Cantus firmus im Tenor erklang, bediente er sich auch einer vergleichsweise einfachen gefassten Satztechnik, in der die Melodie in der Oberstimme lag, und bereitete so den vierstimmigen Kirchenchoral vor, wie wir ihn bis heute kennen.

Der 1515 in Ansberg geborene Caspar Othmayr gehört bereits zur zweiten Generation protestantischer Komponisten an. Er trat erstmals in Luthers Todesjahr 1546 mit zwei musikalischen Drucken als Anhänger der Reformation in Erscheinung. In den fünfstimmigen Motetten Verba Lutheri Ultima und Epitaphium D. Martini Lutheri setzte er dem großen Reformator ein musikalisches Denkmal. Von besonderem Reiz sind auch seine zweistimmigen Bizinien, in den denen die Choralmelodie nur von einer weiteren Stimme umspielt wird.

Das Programm folgt in loser Form dem Aufbau der deutschen Messe, wie sie Martin Luther entwickelt hat. Die einstimmigen Gesänge und Lieder Martin Luthers werden den verschiedenen zwei- bis fünfstimmigen Choralbearbeitungen von Walter und Othmayr gegenübergestellt, während die beiden othmayrschen Motetten auf das Ableben Martin Luthers predigtartig  den Kern des Programmes bilden.