Grußwort

Frieden und Freiräume für 2019

Zwei Motive werden mich als Superintendent im Jahr 2019 begleiten:
die Jahreslosung und das Jahresmotto der Landeskirche.

Die Jahreslosung steht in Psalm 34 Vers 15: „Gott spricht: Suche den Frieden und jage ihm nach.“ Seit 1930 wird in jedem Jahr ein Bibelvers quasi als biblischer Leitfaden für das Jahr ausgewählt, jeweils vier Jahre im Voraus. Umso erstaunlicher ist die Aktualität der Jahreslosung 2019.

„Suche den Frieden und jage ihm nach.“

Das gilt für die Welt: Internationale Verträge werden gekündigt. Nach Zeiten der Entspannung rückt die Gefahr eines globalen Krieges wieder in den Bereich des Denkbaren.

„Suche den Frieden und jage ihm nach.“

Das gilt für unser Land und unsere Gesellschaft. In Europa setzen viele Menschen und Parteien auf Abgrenzung und Nationalismus. Nicht umsonst hat die Europäische Union 2012 den Friedensnobelpreis bekommen. Der Zusammenschluss von Staaten, die sich vor 73 Jahren noch bekriegt haben, ist ein Wunder und ein Friedenswerk. Wir müssen es bewahren.

Es gibt Menschen und Gruppen in unserem Land, die mit Angst arbeiten. Angst vor dem Fremden und den Fremden. Angst ist kein guter Ratgeber. Parteien, die mit Angst und Ausgrenzung arbeiten, kann ich 2019 nicht wählen.

Ich wünsche mir, dass wir unsere Sorgen und Hoffnungen für die Zukunft miteinander teilen und uns gemeinsam in unserem Land auf den Weg machen.

„Suche den Frieden und jage ihm nach.“

Auch vor Ort. Wenn ich die Kirchengemeinden in meinem Kirchenkreis besuche („visitiere“), dann erlebe ich oft ein gutes Miteinander vor Ort. Kirche, Feuerwehr, Sportverein, Landfrauen, Kommunen, Verkehrsverein und andere gesellschaftliche Gruppen ziehen an einem Strang. Das ist ein Segen. Und ich hoffe, dieses Miteinander setzt sich in 2019 fort.

Ein zweites Motiv wird mich im kommenden Jahr begleiten. Die Landeskirche Hannovers hat als Motto für 2019 herausgegeben: „Zeit für Freiräume. … um des Menschen willen.“ In dieser Zeit, die immer schneller wird, wollen wir uns auf die biblischeTradition des Shabbats besinnen: Sechs Tage sollst du arbeiten, aber am siebten Tag sollst du ruhen; auch in der Zeit des Pflügens und Erntens sollst du ruhen. (2. Mose 34,21) Der wöchentliche Ruhetag unterbricht unseren Lebensrhythmus „um des Menschen willen“ (Markus 2,23-28).

Ich bin sehr gespannt, ob und wie dieses Motto unser Arbeiten und Leben in der Kirche verändern wird. Wie in anderen Lebensbereichen scheint die Belastung für Ehren- und Hauptamtliche immer größer zu werden. Mich begleitet in dieses Jahr „Zeit für Freiräume“ ein Zitat von Bischof Ralf Meister vor der Synode im Mai 2018: „Eine Kirche, in der die Zeit für Gremien, Ausschüsse, Planungsrunden, Dokumentation, Regulierung bei Weitem die Zeit für Feste und Feiern, für Gottesdienst, Gesang und Gebet übersteigt, ist nicht zukunftsfähig.“

In der Kirche vor Ort haben wir uns weniger Sitzungen vorgenommen, werden manches weglassen und anderes einfach einmal ausprobieren.

Und ich hoffe, dass wir auch mit anderen ins Gespräche kommen und uns gemeinsam fragen: Was in unserer Gesellschaft, im täglichen Leben, ist eigentlich Selbstzweck geworden und was dient wirklich den Menschen?

Und so wünsche ich Ihnen ein friedliches Jahr 2019, in dem Sie Freiräume für sich entdecken und nutzen.

Superintendent Christian Berndt, Winsen (Luhe)